Geschichte der Karnevalsgesellschaft

Hier wollen wir euch die sehr interessante Geschichte unseres Vereins nahe bringen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und Staunen.

Fastelovend in Derichsweiler

Aus dem Unterdorf erklang frohes Lachen und Singen.

Man vernahm auf der Ziehharmonika gespielte Weisen des Tages:
Mir han jo Fastelovend, trandirudirallala“.

Vermummte und maskierte Gestalten näherten sich, von lachenden und singenden Kindern umschwärmt. Der drollige Polizist mit dem dicken Pappkopf und der Knollennase, der ulkige Schornsteinfeger und all die vielen anderen Gestalten, aber besonders die zahlreichen Möhnen lassen Freude aufkommen. Kein Zuschauer bleibt bei diesem Treiben ruhig, und immer wieder wird gerätselt, wer sich unter den vermummten Gestalten verbirgt.

Viele Kinder wissen, dass ihre Mütter mit von der Partie sind, denn morgens wurde schon ein Eintopf für die ganze Familie gekocht, die Mutter verschwand. Damit waren für Mutter die häuslichen Pflichten für diesen Tag erledigt, denn es war ein hoher Festtag em Dörp, nämlich “Wievefastelovend“!

Am zeitigen Vormittag hatte das frohe Treiben bereits begonnen. In Gruppen ging es von Wirtshaus zu Wirtshaus. „Mutzen“ waren das Gebäck des Tages, aber auch ein guter Tropfen wurde nicht verschmäht. Man freute sich des Lebens. Maskiert war man frei von den üblichen Hemmungen und Förmlichkeiten, war also ein richtiger „Fastelovendsjeck“. Es war erstaunlich, was die „Möhnen“ an diesem Tag, ihrem Ehrentag alles vertragen konnten und was sie dabei alles anstellten. Am Nachmittag gab es dann bei einer „Kampfpause“ einige Tassen schwarzen Kaffee, und so gestärkt konnte man dann am Abend beim „Möhneball“ seine „Möhn“ stehen.

Beim Möhnewibbel im Tanzsaal, aber auch bei Abstechern in die Gastwirtschaften waren dann alle Möhnen auf dem Plan. Im Saal saßen sie mit zusammengesteckten Köpfen, nicht viel Gutes planend, dicht beieinander. Sie spähten nach Tanzopfern, die sie dann in ausgelassener Manier planmäßig mürbe machten.

Wenn sie dann dabei nicht erkannt wurden, war die Freude groß. Manch einer soll sich dabei gründlich und peinlich geirrt haben.

Einen Höhepunkt hatte dann das „Tolle Treiben“ bei der mitternächtlichen Demaskierung. Überall sah man überraschte und erstaunte Gesichter. Nach einem ruhigen und besonnenen Karnevalssonntag begann dann am Rosenmontag der erneute Trubel. Ausgetauschte Kostüme von Weiberfastnacht machten die Verwirrung groß. In origineller, aber auch kritischer Art versuchten die „Jecken“, aktuelle Ereignisse des Jahres zu karikieren. Groß und klein waren vom Karnevalsbazillus angesteckt worden und amüsierten sich auf ihre Art. Der Karnevalsdienstag blieb wie eh und je dem „Eazebär“ überlassen. Dieser war dann auch wie immer von einer frohen Kinderschar umgeben. Dann kam der zweite Weltkrieg.

Nach dem 2. Weltkrieg  regte sich langsam wieder der Bazillus Karneval

Das Verlangen nach froher dörflicher Gemeinschaft regte sich recht bald nach dem schrecklichen Krieg wieder, und so waren es in Derichsweiler in den ersten Nachkriegsjahren die beiden großen Sportvereine, der „Turnverein 1885“ und der F.C. „Borussia“ 03, die Fastnachtsveranstaltungen organisierten. Beherzte Männer unter dem damaligen Turnvereinsvorsitzenden Leonhard Esser und die Gebrüder Hermann, Josef und Heinrich Pohl veranstalteten die ersten, wenn auch der Zeit entsprechend improvisierten Kappensitzungen. Heute erinnert man sich noch an den als Schaukel gebauten Elferratstisch, bei dem sich so manch einer durch „Knolly“ und das ständige „Schaukeln“ doll geworden, ungewollt nach hinten verabschiedete.

Beim Fußballclub müssen die beiden Vorsitzenden Josef Gohr und Barthel Bürger genannt werden. Um die Wiederbelebung des Derichsweiler Karnevals erwarb sich der in Arnsberg/Westfalen geborene und seit 1945 in Derichsweiler wohnende Heinz Schulte außergewöhnliche Verdienste.

Der einzige nach dem Krieg übrig gebliebene Saal Müller wurde in Handarbeit von den Spuren des Krieges befreit und mit meisterlich improvisierten Dekorationen festlich hergerichtet. Rosa getöntes, spiralförmig gedrehtes Klosettpapier erfüllte als Saaldekoration einen nicht vorbestimmten Zweck. Glühlampen wurden, soweit vorhanden, von daheim ausgeliehen, und so manche Firma trug unbewusst zum Gelingen so mancher Karnevalsfeste bei.

Die erste öffentliche Kappensitzung im Jahre 1948 veranstaltete der Turnverein unter Leitung von Hermann Pohl, der im darauffolgenden Jahr eine Kappensitzung von der eigens gegründeten Karnevalsabteilung des Fußballclubs folgte, die von Heinz Schulte präsentiert wurde.

Eine erste junge und schmucke Funkengarde in selbstgeschneiderten Kostümen sorgte für Stimmung. Der Wirt lebte damals vom „Stopfengeld“, das er für jede mitgebrachte Flasche „Knolly“ kassierte. Irmgard Stüttgen und Cissi Neuß waren die ersten Funkenmariechen, denen später Christel Vois und Mathilde Velden folgten. Sitzungen wurden alljährlich mit großem Erfolg und stets in vollen Sälen veranstaltet.

Bei der ersten Auswärtsveranstaltung in Brandenberg fehlte, obwohl alles bestens vorbereitet war, bei der Abfahrt die Musik. So wurden die Musiker in Merken einzeln eingesammelt und ab ging es bei Schneegestöber in die Eifel. Wer jedoch mit einem begeisterten Empfang in Brandenberg gerechnet hatte, wurde bitter enttäuscht. Die Schützenhalle fand man verschlossen und ungeheizt vor. Nach einer halben Stunde war der Wirt mit einigen Flaschen zur Stelle, und nach einer weiteren Stunde kamen die Gäste, die ihr Kommen nicht bereuen sollten. Die Nachfeier entschädigte für vieles.

In den Jahren 1951 und 1952 fanden auch Gastspiele in Echtz und Merken statt. 1954 machte erstmals Dürens Karnevalsprinz Karl- Heinz Joerger seine Aufwartung. In den Jahren 1955 und 1956 führten die „Schwarz-Weißen Funken“ keine karnevalistischen Veranstaltungen durch, und auswärtige Vereine nutzten den Saal Müller zu mehr oder weniger erfolgreichen Karnevalsveranstaltungen.

Die “Blau-Weißen Sterne” bestimmen den Karneval

Im Jahre 1957 lud dann der „Kegelclub Gemütlichkeit“ unter Leitung von Heinz Schulte zu einer gelungenen Sitzung ein, und es wurde der Wunsch nach einer eigenen Karnevalsgesellschaft laut. In den letzten Jahren hatte man versucht, den Karneval in Derichsweiler durch einen Prinzen neu zu beleben. Die bis heute einzigen Karnevalsprinzen waren Josef Vohsen 1953, Willi Koch 1954 und Peter Reinartz 1955, 1956 und 1957, der dieses hohe Amt in Ermangelung eines Nachfolgers drei Jahre bekleiden musste. Da er sich nicht als Erbprinz fühlte zog er die Einladung zur Gründung einer Karnevalsgesellschaft im Interesse der Sache vor.

Dieser seiner Einladung waren am 28.08.1957 dreißig Personen in das Lokal Müller gefolgt.

Dies waren die Gründer der Jetzigen KG Blau Weissen Sterne Derichsweiler

Zu den Gründern zählten:

  • Johann Tönnes                        – Anna Cürsgen
  • Susanne Walles                       – Helene Müller
  •  Klara Lothmann                    – Margarethe Rensinghoff
  • Gerti Kurth                              – Josef Welter
  • Heinz Schulte                         – Willi Walles
  •  Arnold Schumacher             – Heinz Pohl
  •  Arnold Claahsen                   – Fritz Cürsgen
  • Edi Kapell                               – Hans-Peter Kurth
  • Friedel Rensinghoff             – Engelbert Quast
  • Edmund Knobloch              – Peter Reinartz
  • Willi Neuß                             – Lorenz Müller
  • Heinrich Viehhöfer             – Karl Schumacher
  •  Jean Uerlings                      – Matthias Kronen

Man wählte einen Vorstand:

  • 1. Vorsitzender: Arnold Claahsen
  • 2. Vorsitzender: Peter Reinartz
  • Kassierer: Johann Tönnes
  • Schriftführer: Karl Schumacher

Bei der nächsten Versammlung wurde Heinz Schulte zum Präsidenten und Josef Krumbach zu seinem Stellvertreter gewählt.

Den Namen der Gesellschaft „Blau-Weiße Sterne“ schlug Heinrich Pohl vor. Bereits am 13.11.1957 trat man mit einer Kappensitzung an die Öffentlichkeit.

Tanzmariechen Doris Erz und Tanzmajor Reinhold Steinbach gaben ihr Debüt.

Mit allen Ortsvereinen bestanden damals wie heute gute Beziehungen, und dank der Spendenfreudigkeit der Derichsweiler Bürger konnte die neugegründete Funkengarde am 4.1.1958 in schmucken blau-weißen Uniformen auftreten.